Erzähl-Kontor
Der Ausspann
Auf den bergischen Hügelstraßen, entlang der alten Heerwege, die schon Napoleon mit seinen Truppen beschritten hat, trifft man immer wieder auf alte, meist freistehende
massive Gebäude. Sie dienten früher einmal als Ausspann, d. h. hier wurden die Pferde der Fuhrleute abgeschirrt und anschließend mit Futter und Wasser versorgt.
Nach langer, schweißtreibender Plackerei mit schwerer Fracht im bergigen, unwegsamen Gelände hatten die Tiere das sicher verdient. Auch der Fuhrmann, der zu einem
»Gespann« ins Wirtshaus ging, hatte sich eine Pause verdient. Gut verdienen tat schließlich der Wirt, denn mit einem »Gespann«, also einem Bier und einem großen Klaren,
ließ es kaum ein Fuhrmann bewenden. Oft verlangten die Fuhrleute noch eine Pfanne mit Bratkartoffeln, mehreren Eiern und Schinken, manchmal sogar noch eine Rindfleischsuppe vorweg.
Ein Ausspann war ein lohnendes Geschäft. Reisende gab es viele: zu Pferde, in Chaisen, mit Bügelkarren oder Kutschen – alles kam über die Landstraße; natürlich auch die
Transporte: Kohle, Salz, Tuche und allerlei sonstige Güter. Zwischen dem Bergischen, Kölnischen und dem Siegerland herrschte reger Fuhrverkehr. Wenn im frühen Morgengrauen die Fuhrleute abzogen, brachte manche Wirtin eine ganze Schürze Krontaler hinauf in die Kommode.
Oft ist heute aus dem Ausspann von damals eine »gute Adresse« geworden, ein Lokal für gehobene Ansprüche mit gepflegtem Blumenschmuck in den alten Futtertrögen. So
ein Lokal steht auch an der Hückeswagener Straße, die vom Aggertal hinauf über Marienheide nach Wipperfürth und weiter nach Hückeswagen und Lennep führt.
